Meine Zeit

Eindrücke aus dem Leben nach der Erwerbsarbeit

Rügen 26 – Wieder auf Wittow

Weil es im vorigen Mai so schön war, haben wir für dieses Frühjahr die gleiche Unterkunft für zwei Wochen gebucht, allerdings ging es diesmal schon Mitte April los. Die Weltlage ist wieder einmal dramatisch, die deutsche Öffentlichkeit lässt sich von Dieselpreisen und mit der live-Berichterstattung vom Sterben eines Wals ablenken. Nach einer Regenfahrt freuen wir uns, wieder in Putgarten zu sein. Die Natur startet gerade den Frühling, statt Raps haben wir diesmal Gerste vor dem Peilturm und so mancher lässt am Haus noch ein paar Reparaturen machen, bevor es losgeht.

Gleich bei der Ankunft fallen uns natürlich die Türme vom Kap Arkona ins Auge. Und: Nachdem im vergangenen Jahr der alte Leuchtturm (Schinkel-Turm) restauriert wurde, haben sie in diesem Jahr den neuen Turm eingerüstet – schade, hätten wir doch gerne beide Türme in voller Pracht gesehen. Schauen wir uns trotzdem um:

Die Türme am Kap

Wir haben ja die Wahl zwischen zwei Spazierwegen zum Kap und so kann man daraus einen Rundweg machen, bei dem man ganz nebenbei auch den Marineführungsbunker umrundet. Aber zunächst mal die Leuchttürme. Nanu, da ist ja noch einer, der war doch letztens noch nicht da, oder ? Es gibt doch immer wieder was Neues:

Der Schinkel-Turm ist nun fertig. Der wird ja nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck genutzt, hier können seit Jahrzehnten Leute heiraten, im Turm ist das Standesamt untergebracht.

Hier auf dem Plateau wird der Museumsbereich weiter ausgebaut. Der Marineführungsbunker kann besichtigt werden und eine Ausstellung zur Seenotrettung. Damit fangen wir mal an:

Die Tafeln bieten sehr umfangreiche Informationen. Das ist eher ein Schlechtwetter-Programm. Aber es empfiehlt sich, früh anzukommen, die Schließen um 16 Uhr, im Bunker sogar schon um 15 Uhr. Beim zweiten Mal klappts.

Der Marineführungsbunker der NVA zeigt mehrere Austellungen, darunter alte NVA Funktechnik, Telefone und Schiffsmodelle. Eine Gruppe Altkader-Genossen amüsiert sich dabei prächtig, ich fand die Seezeichen interessanter.

Diese sind auch deutlich besser präsentiert, jeweils mit Erklärungen über Bildschirme. Anscheinend ist auch dieses Museum noch im Aufbau. Gut, das der Eintrittspreis mit der Kurkarte schon bezahlt war, denn 8€ hätte ich hier als zu teuer empfunden. Die Altkader bekamen vom Museumsknecht noch eine Verabschiedung mit Nebelhorn, immerhin funktionierende Original-Technik. Eine wichtige Attraktion konnte leider nicht rekonstruiert werden:

Die Königstreppe führte früher zu einer Schiffs-Anlegestelle vor dem Kap . Das muss toll gewesen sein ! 43 Meter über dem Meer abzusteigen auf einen Schiffsanleger. Der Abstieg kann aber aufgrund der vielen Abbrüche an der Küste nicht wieder hergestellt werden. 1995 saniert und wieder zerstört. Seit 2012 ist die Königstreppe außer Betrieb. Hier oben findet man dann auch noch das Atelier eines Holzkünstlers, der manche humorige Arbeit leistet. Die slawische Gottheit Svantevit begegnet uns überall hier in der Gegend, da die Ranen auf Rügen wohnten und der ihr Vorbild war.

Ist doch nett, die Skupturen stehen hier oben so rum, an einem Ort, der früher eine immense strategische Bedeutung hatte. Allein durch die über 40 Meter hohe Küste hatten es die Dänen immer wieder schwer, wenn sie mit ihren Katapulten und Lanzen Wittow erobern wollten. Und hier hatten die Ranen ihre Festung mit dem Jaromarswall erbaut

Diesen, oder besser : Was davon übrig ist, kann man auch sehr gut vom Peilturm aus anschauen. Da wir Kurkarten haben, dürfen wir den kostenfrei besteigen und dabei an allerlei Schmuck und Wollpullis vorbeikommen. Die Nutzung des ehemaligen Marinepeilturms ist dem Tourismusgeschäft angepasst. Wir essen auch ein Eis.

Auch eine kleine Dokumentation zu Caspar David Friedrich (der hier allgegenwärtig ist) kann man sich anschauen und so den Aufstieg kurzweilig gestalten.

Oben angekommen ist man für alle Fälle erst mal geschützt. Die Glaskuppel hält Sturm und Regen ab – und das ist hier wichtig! Also meistens.

Bei gutem Wetter kann man ins Freie treten und hat eine tolle Aussicht. Wir haben sogar wenig Wind, was selten ist.

Dieser Ausblick ist fast ebenso spektakulär wie der vom Leuchtturm, wir können direkt in die Wallanlage schauen und runter nach Vitt. Außerdem reicht der Blick bis Schweden.

Wir klettern die Wendeltreppe wieder runter und blicken zurück auf die Türme vom Kap Arkona:

Wenn man Richtung Fischerdorf Vitt wandert, erhält man einen Ausblick auf die Abbruchkante der Wallanlage und die darunter liegende Küste.

Von Vitt bis Juliusruh

Das ehemalige Fischerdörfchen Vitt habe ich im vorigen Jahr besucht. An der Küste entlang erreicht man bald Goor, wo man das schöne Café „Zur kleinen Rast“ findet. Da wir noch recht früh im Jahr sind, ist der Blick noch freier.

Die Küste wird weniger Steil, es gibt einige Abstiege und man kann von oben in das klare Wasser schauen. Einige Angler versuchen ihr Glück, aber ich habe keinen Fisch gesehen. Diese Bucht heißt Tromper Wiek und endet am weißen Sandstrand der Schaabe.

Eine weitere Sehenswürdigkeit auf dem Weg an der Küste ist hier das Großsteingrab von Nobbin, 5000 Jahre alt und die größte Hünengrabanlage der Insel.

Wenn man hier weiterradelt, ist man bald am Campingplatz Altenkirchen/Juliusruh. In Juliusruh beginnt der Sandstrand in der Bucht, den haben wir im letzten Jahr beschrieben und auch diesmal häufig besucht.

Der Strand hinter dem kleinen Kiefernwälchen war wieder sehr gut mit Hund zu erreichen.

Juliusruh bildet ja einen Doppelort mit Breege. Hier ist ein Boddenhafen, den auch die „Weiße Flotte“ bedient. Du kannst sogar direkt mit dem Schiff zur Freilichtbühne Ralswiek fahren, das ist ideal für Festival-Besucher.

Im Boddenhafen liegen schon jetzt zahlreiche Segelyachten. Die Lage ist natürlich optimal als Ausgangshafen für die südliche Baltische See.

Der Nordstrand und der Märchenwald

Vom nördlichsten Punkt – dem Gellort – führt der Hochuferweg entlang der Küste. Der lässt sich am Besten mit dem Fahrrad entdecken und jetzt im Frühjahr ist (wenn kein Feiertag ist) die beste Zeit dafür. Da die Bäume noch nicht voll belaubt sind, bietet sich die eine oder andere Aussicht auf den unten liegenden Nordstrand und die offene See.

Der Weg ist wirklich sehr reizvoll, mitunter musst du bis an den Feldrand fahren, weil der Weg ins innere zurück führt, aber man kommt an der Küste weiter runter. Der Bewuchs nimmt zu in Richtung eines Waldstückes, das in einigen Karten mit „Märchenwald“ bezeichnet ist.

Man muss ganz schön aufpassen, da der Weg von Baumwurzeln durchwachsen ist und sehr dicht am Abhang vorbei führt. Augen Auf ! Uralte knorrige Bäume bilden dieses Waldstück, im Fahrrad-Führer ist der Weg als anspruchsvoll bezeichnet.

Der Weg führt weiter in ein Waldstück, das dann breiter und sandiger wird, als Hundeauslaufgebiet beliebt ist und über einen kleinen Parkplatz verfügt.

Hier ist es genug für heute und Zeit, den Rückweg quer über Wittow zu fahren, um noch in der „kleinen Rast“ einzukehren und den schönen Kuchen zu genießen. Die Schließen ja um 17 Uhr. Also Los !

Die Wittower Fähre

Unser Windland ist ja fast eine eigene Insel und entweder durch die Straße entlang der Schaabe zu erreichen oder über den Bodden mit der Fähre. Das mussten wir dann natürlich auch einmal ausprobieren und sind durch das Städtchen Wiek über die Landstraße zum Fähranleger gefahren. Hier kommt die Fähre schon !

Die fahren hier im Pendelverkehr, Einheimische und Handwerker haben Jahreskarten, für uns kostet die Fahrt ca. 7€.

Die Wartezeit war kurz, die Zahlung ging bargeldlos und es ist ja auch (für uns) ein Urlaubsereignis .

Schloß Pansevitz

Wir haben Wittow mit der Fähre verlassen, um ein Ziel anzufahren, das nicht alltäglich von Rügenurlaubern besucht wird. Die Ruine vom Schloß Pansevitz. Die bereits im 16. Jahrhundert entstandene Gutsanlage wurde Jahrhunderte später im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt und erweitert. Die in den 1920er Jahren durch Erbfolge in den Besitz geratene Familie wurde nach 1945 durch die DDR enteignet, das Anwesen verfiel und wurde als Steinbruch und Baustofflager missbraucht. Durch Rückkauf nach der Wende versucht die Familie mit Hilfe einer Stiftung das Anwesen wieder nutzbar zu machen.

Der erste Eindruck ist verstörend. Aber es ist wirklich interessant – Den Turm kann man besteigen.

Die weitläufige Parkanlage wird heute teilweise als Friedwald genutzt, auch Konzerte werden hier im Sommer veranstaltet. Ein schöner Ort, auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man schon mal hier ist. Macht nachdenklich.

Stubbenkammer

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